Monika (86) kam 1968 nach Eisenhüttenstadt. Im EKO qualifizierte sie sich zur EDV-Spezialistin. Im Rückblick verbindet sie Dankbarkeit für die damaligen Möglichkeiten mit einer ambivalenten Sicht auf die Umbrüche von 1989/90.
„Ich bin 1939 geboren, 1945 in die Schule gekommen, ’53 habe ich die achte Klasse beendet. Damals war es so, dass es noch nicht bis zur zehnten Klasse ging. Also musste ich einen Beruf lernen. Bei der Sparkasse habe ich dann drei Jahre gelernt. Und weil im Kommunismus Kaufleute so verpönt waren, heißt es in meinem Facharbeiterbrief nicht Bankkaufmann, sondern Geld- und Kreditsachbearbeiter. Also bei der Sparkasse noch fünf Jahre gearbeitet, aber da hat man als kaufmännischer Angestellte wenig verdient. Diejenigen, die mit mir in der Klasse waren und Dreher und Fräser gelernt haben, die haben viel mehr verdient. Also bin ich dann zur Wismut, Uranbergbau. Ich bin ja in Aue geboren, und da gab es einen großen Maschinenbaubetrieb, der wurde für die Wismut benutzt. Da ging es dann schon los mit ein bisschen – nicht elektronischer, aber mechanischer – Datenverarbeitung. Das habe ich dann bereits gemacht.
Aber nach fünf Jahren Ehe mit meinem ersten Mann hatten wir noch keine Chance auf eine Wohnung. Und damals wurde viel geworben für Eisenhüttenstadt. 1968 war dann in der Wochenpost die Reklame: Das neue Kaltwalzwerk wurde in Betrieb genommen. Es werden Leute gesucht. Also haben wir uns beworben und da wurden gleich Angebote gemacht. Mir hat man angeboten: Gruppenleiter Rechnungsstelle – aber Bedingung war, den Fachschulabschluss nachzuholen. Also habe ich erstmal ein Jahr die Volkshochschule besucht, um den Zehnklassenabschluss nachzuholen. Und dann war die Zeit gekommen, dass man sich mit EDV beschäftigt hat. Im EKO hat man gesagt: Wir müssen EDV-Leute qualifizieren. Damals hat man sogenannte Frauensonderklassen im EKO ins Leben gerufen. Frauen mit Kindern hatten da gute Bedingungen. Zwei Tage in der Woche hatten wir Vorlesung und Studium und drei Tage haben wir gearbeitet. Ich bin froh, dass mir das EKO diese Chance gegeben hat, so ein Studium zu machen. Bin ich eigentlich dankbar dafür. Weil als ich noch in Aue bei der Wismut war, gab es zwar auch so eine Förderung, aber nur für Frauen, die in der Partei waren. Und ich war nicht in der Partei.
Ich war dann noch eine Weile Gruppenleiter Rechnungsstelle, aber Ende der siebziger Jahre ging es los mit Mikrorechnerprojekten im EKO. Und das hat mir eigentlich auch meinen Weg in die Datenverarbeitung geebnet. Ich bin ja dann richtig in die EDV-Programmierung und Projektierung eingestiegen – auch nach der Wende noch. Das Mikrorechnerprojekt, für das ich zuständig war, das wurde dann outgesourct. Und da haben sie mir das Angebot gemacht, mich mit zu übernehmen. Das hat sich finanziell sehr gelohnt. Die waren nicht kleinlich. Aber ich musste auch immer wieder auf Dienstreise zu kleineren Filialen und habe von Hambach in Frankreich bis Katowice in Polen die Computertechnik eingerichtet und die Leute geschult. Das war ganz interessant und spannend. Zehn Stunden am Tag arbeiten, dann zu Hause noch zwei Stunden lernen und dann noch den Haushalt. Und jetzt bin ich die Computer-Omi.
Zur Wende war hier eine Aufbruchstimmung. Obwohl, Unsicherheit war natürlich auch schon da: Was wird jetzt auf uns zukommen? Aber alle haben gedacht, jetzt geht es wieder nach vorn und es geht eine Entwicklung zum Besseren weiter. Weil zum Ende der DDR hat man den Niedergang gespürt. Die Versorgung wurde schlechter und man hat auch in den Betrieben gesehen, was da alles verhökert wurde. Auf allen Gebieten wurde schwarz geschachert. Alles lief über Beziehungen. In meiner Heimat sind viele Betriebe nach der Wende verhökert worden. Das war eigentlich ganz schön sträflich. Es kamen viele Räuber rüber, die sich dann als sonst was ausgegeben haben. Im Westen wären sie im Knast gewesen, hier haben sie sich groß aufgespielt. Und das ist eigentlich das Schlimme gewesen, dass es da nur ums Geld ging, dass man eigentlich die Menschen da ein bisschen im Stich gelassen hat. Es ist kein Wunder, dass dadurch die AfD so groß ist. Und das macht mir ganz schön Angst. Man hätte damals eigentlich mehr den Leuten, die in den Betrieben beschäftigt waren, die Möglichkeit geben müssen, eine Firma zu gründen und ihre eigene Firma weiterzuentwickeln.“