Andreas (85) kehrte als junger Mann von Westdeutschland in die DDR zurück. Als Maurer war er am Aufbau von Eisenhüttenstadt beteiligt. Nach der Wende machte er sich selbstständig.
„Ich bin bei meiner Tante und meiner Oma aufgewachsen, weil ich sonst niemanden hatte. Meine Mutter ist im Krieg gestorben. Mein Vater war an der Ostfront. Ich habe nur die achte Klasse absolviert, mehr gab es ja nicht. Mein Vater und meine Stiefmutter sind vor dem Mauerbau in den Westen gegangen. Ich musste natürlich mit. Im Westen habe ich dann eine Lehre als Maurer gemacht. Bin 1961 wieder hierher zurückgekommen. Meine Eltern sind dageblieben. Es waren familiäre Spannungen da und ich habe mich von denen losgesagt. Jedenfalls bin ich dann hier 1961 in Stalinstadt gelandet und habe die Stadt als Maurer mit aufgebaut. Habe die ganzen Blöcke, die damals gebaut wurden, in Handarbeit mitgestaltet.
Ich bin dann zu einer Spezialbaufirma gegangen und habe auf Feuerungsmaurer umgeschult. Alles, was feuerfest im EKO war, haben wir dann gemacht. Und da hatte ich die Möglichkeit, einen Meister zu machen – Feuerungs- und Schornsteinbau-Meister. Wenn im EKO keine Arbeit mehr war, haben sie uns dann von hier aus immer Richtung Süden geschickt, in die Stahlwerke, in die Glaswerke. Da haben wir Reparaturen gemacht. 1974 bin ich zur damaligen AWG (Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft) gegangen. Die AWG hatte einen Meister gesucht und da habe ich alles geleitet, was mit dem Bau zu tun hatte.
Bei mir war eigentlich immer nur Arbeit im Vordergrund – auch schon als kleiner Junge. Ich war verantwortlich für den Garten, den wir hinter dem Haus hatten. Ich war verantwortlich, Tabak anzubauen für Vater. Das war meine Aufgabe. Ich musste den ernten, trocknen und schneiden. Wir hatten sogar eine Zigarren-Drehmaschine. Da kann ich mich heute noch dran erinnern. Als wir dann im Westen waren, haben wir auf einem Bauernhof gewohnt. Da war die Wohnung abhängig von Arbeit für den Bauern. Da mussten Rüben gemacht werden, wir mussten bei der Ernte helfen und alles sowas. Wenn ich aus der Schule nach Hause kam, hing der Zettel an der Tür: Du musst zu Flurstück soundso kommen, da ist Arbeit. Also für mich gab es nur Schule und Arbeit. Auch später noch: Ich war immer Vorreiter bei der Arbeit. Es muss immer vorwärts gehen. Und für meine Aktivitäten, die ich geleistet habe, bin ich auch immer ausgezeichnet worden. Ich hatte in meiner ersten Ehe drei Kinder. Und das Geld, was man so verdient hat, war ja auch nicht so viel. Ich bin nach Feierabend noch arbeiten gegangen. Das nannte man ’scharwerken‘. Und damit habe ich die Familie auf gutem Niveau gehalten. Ich bin immer in die Dörfer gefahren, weil die Bauern ja doch noch ein bisschen anders gelebt haben, als wir in der Stadt. Und da habe ich mal ein Kaninchen mitgebracht, mal Eier, mal Fleisch. Das war immer so ein bisschen Zusatzversorgung. Und dann gab es ja allgemein diese Kleingarten-Euphorie. Hier gibt es so viele Kleingärten – ich glaube, damals gab es niemanden, der keinen hatte. Und der Garten hat uns komplett versorgt mit frischem Obst und Gemüse. Da hatten wir gar kein Problem.
Zur Wende habe ich mich gleich selbstständig gemacht: Kaminbau, Schornsteinbau, Häuser gebaut und sowas alles. Und dann kam der große Einbruch. Wir waren auf die Wende nicht vorbereitet. Nach der Wende gab es eine sehr hohe Zinsbelastung. Ich habe wenig verdient und die Bank hat ganz viel Geld einkassiert. Also es war eine Katastrophe und dann musste ich den Betrieb zumachen. Ich habe dann das Rentenalter natürlich herbeigesehnt. Mit 63 bin ich in Rente gegangen.“