Graham ist Ende 60 und pensionierter Elektroingenieur. Er arbeitete im Stahlwerk Lackenby in Redcar und erlebte Aufstieg und Fall der Industrie hautnah mit.

Vom Stahlwerk Lackenby ist auf einem für die Bebauung vorgesehenen Gelände nur noch der Sockel des Hochofens übrig

„Ich habe in Ferryhill gelebt, das ist ein Bergarbeiterdorf. Ich wurde in einer Reihenhaussiedlung auf der einen Straßenseite geboren. Wenn ich auf der anderen Seite geboren worden wäre, hätte man vom Hinterhof auf das Bergwerk schauen können.

Ich fing bei einer Waagenfirma namens Avery an. Die Elektronik hielt gerade Einzug in die industrielle Wägetechnik – weg von Hebeln, hin zu Wägezellen und Sensoren. Ich wurde für eine Schulung ausgewählt und für eine Zeit nach Birmingham geschickt. Danach arbeitete ich noch etwas dort, bevor ich für eine niederländische Firma tätig wurde, die ebenfalls Wägetechnik herstellte. Erst danach kam ich ins Stahlwerk.

Ich habe all den Stress und die Belastungen miterlebt – das Gefühl, dass das Werk jederzeit dichtmachen könnte, außer vielleicht in den ersten fünf Jahren im Stahlwerk, also etwa von 1977 bis in die späten 80er. Damals habe ich mich noch wohlgefühlt. Ich dachte, es war eine gute Entscheidung dahin zu gehen. Gut bezahlt. Aber nach und nach wurde mir klar, dass ich jederzeit entlassen werden könnte. Dieses Gefühl hing ständig über einem. Man kann sich kaum vorstellen, dass ich mit 60 in Rente gegangen bin und sechs Monate später wäre ich entlassen worden. Ich habe es gerade so vor den Schließungen geschafft. Vor allem weil ich in der Elektronik gearbeitet habe. Und es wäre teuer gewesen, jemand Neues einzuarbeiten. Insofern habe ich das Gefühl, dass ich wirklich Glück gehabt habe. Ich habe das Gefühl, ich bin da irgendwie durchgesegelt. Mit reinem Glück bin ich durch die stürmischen Wasser gesegelt.

Als ich sechzig war und das Walzwerk schloss, dachte ich: Meine Güte, wir sind wirklich bis auf die Knochen abgemagert. Manche nahmen die Abfindung. Aber diese ständige Ungewissheit, die Demotivation – es ist nicht gut, wenn man das Gefühl hat, das Beil hängt über einem. Ich hatte übertragbare Fähigkeiten. Aber manche der anderen – die Stahl- und Hochofenarbeiter, und die in der Stahlerzeugung noch mehr – hatten das nicht.

Ich komme ziemlich viel herum in der Region Durham. Manche Orte erleben gerade einen richtigen Aufschwung. Da wurde investiert. Andernorts – puh, wirklich ganz gemischt. Ob das an den lokalen Behörden liegt oder an den Leuten, weiß ich nicht. Die Leute versuchen neue Industrie anzusiedeln, aber keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Es hat Spuren hinterlassen, was in den 80ern passiert ist. Besser man erwähnt Thatchers Namen nicht.

Ich habe natürlich gestreikt. Weil ich so weit weg gewohnt habe, musste ich keinen Streikposten stehen, da hatte man Verständnis dafür. Ich hätte es gemacht, wenn ich näher dran gewohnt hätte. Es war ziemlich hart. Wir haben Häuser neu verkabelt. Harte Arbeit. Und ich habe nebenbei hinter der Bar gearbeitet, dadurch sind wir durch den Streik gekommen. Ziemlich düstere Zeit, erinnere ich mich.

Präzisionsfähigkeiten gibt es heute gar nicht mehr. Während des Stahlstreiks hatte ich nie das Gefühl, dass es eine große Zahl von Männern war. Ich glaube, wir wollten 20 Prozent mehr Lohn oder sowas. Was wollen wir? Wir wollen 20 Prozent! Das ist das, woran ich mich zu erinnern scheine. Ich glaube, wir haben 15 Prozent bekommen. Das war nicht schlecht. Und absolut unvorstellbar heutzutage. Gott, 15 Prozent. Das haben wir gut hinbekommen. Und ich hatte einen großartigen Chef, ehrlich, er war wirklich klasse. Die Geschäftsführung hat nicht gestreikt. Ich erinnere mich gut an den ersten Tag, an dem wir alle wieder zur Arbeit kamen. Das war ein ziemlich besonderer Tag. Man stelle sich das mal vor. Und er sagte: Ach, wenn ihr noch etwas mehr wollt, wenn ihr noch ein paar Überstunden mehr braucht, Männer, dann klopft einfach an meine Tür, dann sehen wir, was wir machen können. Das war wahrscheinlich nicht die offizielle Linie. Man merkte, dass er Mitgefühl hatte.“