Peter (78) arbeitete nach der Wende 20 Jahre lang auf Montage. Zurück in Weißwasser musste er sich auf vieles neu einstellen. Bis heute engagiert er sich für seine Stadt.
„Ich wurde 1948 geboren, als es weder die DDR noch die BRD gab. In meiner Geburtsstadt Zeitz bin ich zur Schule gegangen. Zeitz liegt im Drei-Länder-Eck Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nach der 10. Klasse machte ich dann meine Lehre als Betriebsschlosser im BKW ‚Erich Weinert‘ Deuben. Kaum ausgelernt, absolvierte ich den 18-monatigen Grundwehrdienst bei der NVA und bin danach als Schweißer auf Montage gegangen. Während dieser Montagezeit lernte ich meine Frau kennen. Kurz nach unserer Heirat begannen wir beide eine Tätigkeit im Kraftwerk Boxberg. Boxberg deshalb, weil wir dort nach zwei Jahren Beschäftigung als Ehepaar eine Wohnung zugeteilt bekamen.
So zogen wir also nach Weißwasser in eine schöne 3-Zimmer-Wohnung. Wir legten uns einen Kleingarten zu, bauten darauf ein kleines Gartenhäuschen, bezogen eine Garage – der Trabi wollte untergebracht werden. In der Zwischenzeit wurden wir Eltern zweier Söhne.
Damals schon war ich gesellschaftlich tätig, zum Beispiel in der Gewerkschaft als Kulturobmann, in der freiwilligen Feuerwehr, in der DSF [Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft] und im Kulturbund. In der Hausgemeinschaft organisierten wir Wochenendfahrten in das Zittauer Gebirge, nach Dresden und anderswo hin. Auch gewerkschaftlich organisierte Busreisen wurden ausgiebig genutzt.
Kulturell hatte Weißwasser damals viel zu bieten. Es gab das Kulturhaus mit unzähligen Veranstaltungen. In der Konsumgaststätte Am Wasserturm tummelten sich viele Weißwasseraner, tranken gemeinsam ein kleines Bierchen oder mehr. Man traf sich halt und redete miteinander. Es gab viele Freizeit- und Sportangebote in einer schönen Stadt und einer wundervollen Landschaft. In der kleinsten Eishockeyliga der Welt, mit nur zwei Mannschaften, gab Dynamo Weißwasser meistens den Ton an.
Wir lebten in der DDR glücklich und zufrieden. Es brauchte sich keiner Sorgen um seinen Job zu machen. Man lebte friedlich und gemeinschaftlich zusammen und hatte eine gute Zukunft vor Augen. Das ist meine persönliche Erfahrung, die sicherlich andere Personen nicht so sehen.
Dann kam die sogenannte Wende. Von einem Tag auf den anderen wurde alles auf den Kopf gestellt. Wir mussten uns praktisch neu erfinden. Hier im Osten wurde mittels Treuhand viel Funktionierendes kaputtgemacht. Das war die zweite Demontage. Für die Menschen in den gebrauchten Bundesländern blieb alles beim Alten, uns aber machte man besserwisserisch Vorschriften, wie wir nach ihren Erfahrungen zu ticken haben. Viele kamen mit dem Neuen nicht zurecht oder gingen in den goldenen Westen, um besser entlohnt zu werden.
Ich nahm wieder eine Montagetätigkeit als Schlosser und Schweißer bei den verschiedensten Leihfirmen auf. Diese Tätigkeiten führten mich überwiegend in den Westteil Deutschlands sowie in die Niederlande, Frankreich und Österreich.
Als meine Verrentung näher rückte, überlegte ich, wie ich mich denn in meiner Heimatstadt einbringen könnte. Weißwasser war mir während der 20 Jahre Montagetätigkeit nahezu fremd geworden, weil ich meistens nur alle 14 Tage den weiten Weg nach Hause wagte. Der alte Freundeskreis musste aktiviert werden und neue Weggefährten gesucht und gefunden werden.
Ich habe mich engagiert für verschiedene Vereine und Bürgerinitiativen, habe den damaligen Bürgermeister unterstützt und war ein paar Jahre treibende Kraft bei der Interessengemeinschaft Freunde des Volkshauses. Wir haben jahrelang um dieses Volkshaus gekämpft. Vor ein paar Jahren ist es dann aber abgebrannt. Viele Jahre hat mich bei diesen Aktivitäten meine Frau begleitet. So treten wir fast immer nur beide gemeinsam in Erscheinung und versuchen auf unsere Art, für unsere Stadt etwas Gutes zu erreichen. So haben wir unsere neue Oberbürgermeisterin von Anfang an auf ihrem Weg begleitet und unterstützt. Auch, weil wir einen Neuanfang in Weißwasser wollten. Der Ex-Oberbürgermeister war uns und vielen anderen Bürgern zu selbstherrlich.
Hier in Weißwasser mit einer Stimme für unsere Stadt und unsere Region zu sprechen, fällt vielen schwer. Viele sehen nur das Eigene und vergessen dabei die Partnerschaft. Dabei gibt es viele gute Ideen. Aber in Weißwasser haben die vielen ‚Man müsste machen Männer‘ die Oberhand. Die sind dann mit dem Gemachten unzufrieden, meckern und kritisieren, anstatt mitzumachen, wie wir es seit Jahren versuchen. Ich sage mir: Nur wer sich einmischt, kann versuchen, etwas zu ändern.“